„Der Kaiser kommt!"

Anlässlich des 1800jährigen Jubiläums des Germanienfeldzugs des römischen Kaisers Caracalla (211-217 n.Chr.) findet eine Reihe von Veranstaltungen statt, die an dieses wichtige (und erste zeitlich genau belegte) Ereignis der Landesgeschichte Baden-Württembergs erinnern soll. Zentrales Thema ist der moderne Nachvollzug dieser römischen Militäroperation ins antike Germanien, welcher durch eine Gruppe von Historiendarstellern unternommen wird. Dabei wird die belegte und wissenschaftlich rekonstruierte antike Feldzugsstrecke zwischen den Limesorten Aalen und Osterburken zu Fuß und zu Ross in authentischer Militärausrüstung des 3.Jhd n.Chr. nachvollzogen (circa 140km). Die Marschgruppe selbst soll dabei die Darstellung einer explorativen Vorhut einnehmen, die dem kaiserlichen Hauptheer Wege und Lagerplätze erkundet.

Grenzen überschreiten

Die Gruppe (aktuell 22 Personen) historisch interessierter Männer und Frauen aus ganz Süddeutschland, im Alter von 15 bis 49 Jahren, rekrutiert sich aus verschiedenen Berufen (z.B. Schülern, Studenten, Ingenieure, Geologen, Ärzte, Polizeibeamte und Lehrer). Sie hat sich zum Ziel gemacht, eine überregionale breite Öffentlichkeit auf dieses besondere Ereignis durch einen Experimentalmarsch aufmerksam zu machen. Neben dem experimentellen Ansatz (Erprobung von rekonstruierten-antikem Material und Belastbarkeit moderner Menschen) soll es durch eine Reihe von Mitmachmöglichkeiten (Medial interaktiv und vor Ort) möglichst viele Menschen ermöglicht werden, an diesem Ereignis teilzuhaben. Darüber hinaus sollen Informationen über den Limes, den Wandel der mitteleuropäischen Kulturlandschaft (vom antiken Grenzland bis heute) und die antike Heerestechnik (Roms Heer im Felde) vermittelt werden.

100 römische Meilen westwärts

Der eigentliche Feldzug dauert 9 Tage (17.-25.August 2013), wird aber durch eine Reihe von Begleitveranstaltungen zuvor und danach flankiert und beworben. Das rein ehrenamtliche Engagement wird durch eine Reihe von Institutionen und Partnern unterstützt und begleitet. Die tägliche Marschleistung soll zwischen 10-20 km liegen. Unterwegs und an den Tageszielpunkten in den einzelnen Kommunen soll der Bevölkerung, insbesondere der Jugend, der römische Militäralltag (Transport, Lageraufbau, Wachdienst, Verpflegung, etc…) und die Begegnung von Kulturen (Kontakt, Kooperation, Konflikt) anschaulich (beispielsweise in Form von kleinen Inszenierungen) vermittelt werden.

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Das römisch-germanische Grenzgebiet ist Schauplatz eines besonderen, weltgeschichtlich bedeutsamen, Ereignisses. Der Kaiser Caracalla hat sein Kommen angekündigt, um höchstpersönlich einen Feldzug (expeditio) ins Vorland des obergermanisch-raetischen Limes zu führen.

Er war eine schillernde Gestalt unter den Imperatoren. Er mied den kaiserlichen Hof in Rom mitsamt der Welt der Senatsaristokratie. Vielmehr liebte er das einfache Soldatenleben und strebte nach Anerkennung als Feldherr. Da kam die Nachricht von dem Auftauchen einer neuen Germanengruppe an der Grenze gerade richtig.

Sein Ziel: Die am Horizont aufkommende germanische Bedrohung der Grenzprovinzen mit einem massiven Präventivschlag zu beenden. Dies war der Anlass für eine großangelegte Militäroperation, deren Vorbereitung Auswirkungen in ganz Süddeutschland hatte. Caracallas Besuch am Rande des Imperiums wurde umfangreich vorbereitet und organisiert.

Im ganzen süddeutschen Provinzgebiet wurden Straßen gebaut und die Logistik bereitgestellt für dieses Großunternehmen. Aus allen Heeresteilen, Legionen, Hilfstruppen – sogar orientalische Bogenschützen – wurden Abordnungen zusammengestellt (Vexilationen), um am Feldzug teilzunehmen.

Literaturhinweis

  • Hensen, Andreas, Zu Caracallas Germanica expeditio. Archäologisch-topographische Untersuchung, in: Fundberichte aus Baden-Württemberg 19/1-2, Stuttgart 1994, S.219-254.
  • Hensen, Andreas, Der inszenierte Krieg, in: epoc (Spektrum der Wissenschaft) 02/10, S.53-61.

2013

1800 Jahre nach dem historischen Ereignis macht sich der moderne NVMERVS BRITTONVM auf, den antiken Weg des Feldzuges nachzuvollziehen. Zusammen mit anderen Mitläufern soll die rekonstruierte Strecke des Caracallafeldzuges abzugehen. Dabei sind circa 140 Kilometer (knapp 100 römische Meilen) zwischen den beiden Grenzkastellen Aalen und Osterburken zu meistern.

Heutzutage erwartet sie kein feindliches, wildes Grenzgebiet, sondern eine vom Menschen stark bestimmte Kultur- und Siedlungslandschaft mit asphaltierten Autobahnen. Das antike Unternehmen bleibt dennoch eine Herausforderung für die Moderne. Die Teilnehmer werden als Menschen des 21. Jahrhunderts vor besondere physische und psychische Grenzsituationen gestellt sein.

Material und Gemeinschaft werden dabei einer besonderen Bewährungsprobe unterzogen. Einzigartige Erfahrungen, Erlebnisse und Begegnungen erwarten sie. Doch verfolgt diese Unternehmung nicht nur diese eigenen Ziele, sondern hat die Motivation, dieses besondere Ereignis antiker Grenzgeschichte von welthistorischer Bedeutung einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln und möglichst viele Menschen auf vielfältige Weise daran teilhaben zu lassen.

Es bietet sich hier die große Gelegenheit überregional auf die Geschichte der römischen Vergangenheit unseres Landes im Allgemeinen und für die Stätten des Welterbes „Obergermanisch-raetischer Limes“ im Besonderen aufmerksam zu machen. Gleichzeitig soll auch ein genaueres Bild der römischen Streitkräfte auf dem Marsch gezeigt werden, nicht zuletzt auch als Möglichkeit auf die beteiligten Gruppen, Museen, Partner und Kommunen aufmerksam zu machen und die Schauplätze und Akteure an der römischen Grenze miteinander zu verbinden.

About

Interessierte Freizeitrömer stellen in einer spektakulären Aktion den Feldzug des römischen Kaisers Caracalla nach und marschieren mit wissenschaftlicher Betreuung und nur mit historisch belegter Mittel die Strecke von Aalen bis Osterburken.

Credits

Studio Orange WalheimREDAXO